- Es raschelt in
einer Ecke des Dachbodens.
- Dann hörte man
ein leises Tapsen.
- Mäuse? Oh nein!
- "Hallo! Was für
ein Bär bist denn du?" fragte Brummel neugierig.
- "Oh, hallo
... Ich bin ... Ich bin ein vergessener Bär",
antwortete Teddy verstört.
- "Und wie heißt
du?"
- "Ich heiße
Teddy. Alle Bären wie wir heißen doch Teddy."
- Brummel schaute
Teddy an, überlegte eine Weile und sagte dann:
- "Fein, Teddy.
Ich aber heiße Brummel. Und das schon seit vielen
Jahren, glaube ich."
- "Mich gibt es
mindestens genauso lange", sagte Teddy hastig.
- "Dann sind
wir miteinander verwandt!" rief Brummel und tat,
- als wisse er das
bereits seit Jahren.
- "Wie kannst
du so etwas sagen?" grübelte Teddy und
- sah Brummel mit
großen Knopfaugen an.
- "Woher willst
du das wissen?"
- "Oh, ich weiß
es eben. Schließlich hat jeder Verwandte, denke ich ...
- Auf jeden Fall
dort, wo ich herkomme", sagte Brummel.
- "Woher kommst
du denn, Brummel?"
- "Ich bin aus
einer Idee entstanden", antwortete Brummel stolz.
- "Aber Ideen
sind doch nicht wirklich, sie sind nur erfunden",
erwiderte Teddy aufgeregt.
- "Du mußt
doch irgendwoher kommen, um wirklich Verwandte haben zu können...
- Du mußt woanders
herkommen!" Das brachte Brummel nun doch etwas
durcheinander.
- Früher hatte
Brummel oft auf dem Bett gesessen und ... Ja, jetzt
erinnerte er sich wieder:
- Er konnte von dort
hinaus auf die Straße sehen. Waren nicht alle, die zu
Besuch kamen,
- von der Straße
hereingekommen? Sicher war auch er irgendwann einmal von
dort gekommen.
- Deshalb erklärte
er jetzt: "Ich komme von der Straße." "Von
der Straße?" staunte Teddy.
- "Von welcher
Straße?" "Na, eben von der, die ganz nahe an
deiner Straße liegt", murmelte Brummel.
- "Hm."
Teddy sah Brummel unsicher an: "Und was passiert auf
der Straße?"
- "Das hängt
davon ab", überlegte Brummel, nun völlig verwirrt,
"das hängt davon ab,
- was da sonst noch
passiert". Und er dachte: "Vielleicht war es ja
tatsächlich so?"
- "Oh bitte erzähl!"
bat Teddy und schaute Brummel gespannt an.
- Brummel runzelte
seine Teddybärenstirn und dachte angestrengt nach.
- "Als ich jung
war", begann er, "da wurde ich für vielerlei
gebraucht - zum Spielen, zum Einschlafen,
- zum Schmusen...
Ich war wichtig, wie ein Teddybär nur sein kann!"
- Er machte eine
Pause und fuhr dann fort: "Später wurde ich dann
weggelegt und wieder hervorgeholt
- und weggelegt und
hervorgeholt und weg-.... "Wohin?" unterbrach
ihn Teddy."In eine Schachtel."
- In was für eine
Schachtel? In eine "Teddybären-Schachtel?"
Teddy wollte genau wissen, wie es
- Brummel ergangen
war. "Ich weiß es nicht", sagte Brummel
unsicher. "In eine Schachtel eben."
- "Oh", flüsterte
Teddy.
- Auch er erinnerte
sich nicht gerne an den Tag, an dem man ihn einfach
vergessen hatte.
- "Kannst du
brummen?" fragte Brummel. "Ach, ich brummte für
mein Leben gern"
- Aber dann...",
Teddy seufzte traurig, "dann konnte ich plötzlich
nicht mehr brummen".
- "Ich kann
noch brummen", sagte Brummel stolz. "Zumindest
glaube ich, dass ich noch brummen kann.
- "Du weißt es
nicht?" Teddy starrte Brummel entsetzt an. Das mußte
ein Teddybär doch wissen!
- "Nun, das hängt
davon ab", Brummel suchte verlegen nach Worten,
"das hängt davon ab, was ich tue.
- Wenn ich so stehe,
brumme ich manchmal!" sagte er und stand dabei Kopf,
so gut er eben konnte.
- Brummel kullerte
zurück. "Es hat etwas mit meinem Bauch zu tun, mein
Brummen... Aber mehr weiß
- ich auch nicht",
brummelt er und versuchte erneut einen Kopfstand.
- "Sehr leise,
dein Brummen", meinte Teddy ein wenig eifersüchtig.
- "Besser als
gar kein Brummen", antwortete Brummel trotzig und
probierte es noch einmal.
- "Früher, als
ich jung war, da war ich voller Brummen."
- "Ich bin
voller Stroh", verkündete Teddy geradewegs. Brummel
schwieg.
- Gut, warscheinlich
war auch er voller Stroh - wenn sie wirklich miteinander
verwandt wären.
- Aber waren nicht
auch Vogelscheuchen mit Stroh gefüllt?
- Sollte er etwa mit
einer Vogelscheuche verwandt sein!?
- Oh, der Gedanke
gefiel Brummel ganz und gar nicht, er ärgerte sich
furchtbar darüber.
- Mitten in Brummels
Gedanken hinein sagte Teddy: "Hunde".
- "Was ist mit
Hunden?" fragte Brummel erschrocken.
- "Hunde kommen
doch von der Straße", meinte Teddy nachdenklich.
- "Natürlich",
dachte Brummel, und ihm fiel Charly wieder ein.
- Wann hatte Charly
wohl das letzte Mal gesehen? "Es muß sehr lange her
sein", grummelt Brummel vor sich hin.
- "Was?"
fragte Teddy. "Es muß sehr lange her sein, dass ich
Charly das letzte Mal gesehen habe... Wo er wohl ist?"
- "Charly wer?"
Teddy brannte vor Neugier. Eine neue Geschichte? "Charly
Wuff, der Hund von nebenan."
- "Oh",
sagte Teddy und guckte mit seinen blanken Kulleraugen Löcher
in die Luft.
- Dann fragte Teddy:
"Und warum trägst du diesen Verband?" Er
betrachtete neugierig Brummels Hand.
- Brummel schaute
traurig auf sein verbundenes Handgelenk. "Ach, weil
meine Pfote kaputt ist", meinte er.
- "So wie mein
Brummen", tröstete Teddy ihn. Und Teddy war glücklich:
Auch Brummel hatte Fehler!
- "Hm",
murrte Brummel. Doch dann hatte er die Idee.
- "Es gibt mir
ein wirklich echtes Aussehen, erklärte er erleichtert.
"Bitte was?" staunte Teddy.
- "Der Verband
um mein kaputtes Handgelenk", sagte Brummel. "Durch
ihn", erklärte er weiter,
- "bin ich ein
wirklicher Teddybär". Ja, einmal hatte ihn jemand
liebevoll gedrückt, ihn bewundernd geschüttelt
- und dabei
begeistert gerufen, er sei ein echter Teddybär. "Was
ist denn ein wirklicher Teddybär?" fragte Teddy.
- "Na, einer,
der echt ist", antwortete Brummel schlau. Teddy
guckte ein wenig verstört vor sich hin.
- Brummel jedoch war
zufrieden - selbst wenn er nicht erklären konnte, was
das ist: "echt"....
- "Ich bin ein
vergessener Teddybär", sagte Teddy leise. "Ja
ich weiß", meinte Brummel. "Du hast es mir erzählt."
- "Willst du
nicht wissen, was das ist - Vergessensein?" "Nein",
wehrte Brummel ängstlich ab.
- "Mein
Besitzer hat mich einfach vergessen", erzählte
Teddy unbeirrt weiter.
- "Deshalb bin
ich hier - ein vergessener Teddybär."
- Eigentlich hätte
Brummel gern gewußt, wie das mit Teddy und dem
Vergessensein war....
- Sollte er Teddy
doch bitten, ihm die Geschichte zu erzählen?
- Brummels Herz
klopfte so laut wie ein Teddybärenherz nur klopfen kann.
- Vorsichtig
rutschte er näher an Teddy heran... Es war mucksmäuschenstill
auf dem Dachboden.
- Aber wenn man ganz
doll die Ohren spitzte, hörte man ein feines Wispern.
- Mäuse? Oh nein!.