- Ein Besuch im Spielzeugland.
- Mia langweilt sich. "Ein blöder Tag ist heute", sagt sie zu ihrem Teddy Papu. "Es gibt keine blöden Tage!",
- brummt Papu. "Blöd ist, wenn man nichts mit sich anzufangen weiß! Was hältst du zum Beispiel von einem
- Besuch in meiner Heimat?" "Gute Idee!", sagt Mia. "Aber wo ist deine Heimat?" "Im Spielzeugland. Wo sonst?",
- brummt Papu und fasst Mia an der Hand. "Also! Augen zu und los! Okay?" "Okay", sagt Mia.
- Sie schließt die Augen und während sie noch überlegt,wie es im Spielzeugland wohl aussehen mag, landet sie
- auch schon mit einem Plumpser neben Papu auf einem Holzboden. "W-w-wo sind wir hier?", stammelt Mia.
- "Im Spielzeugland. Hab´ ich doch gesagt!", brummelt Papu. Mia kann es nicht glauben. Träumt sie das nur?
- Neugierig sieht sie sich um. Kunterbunt ist es hier wie in einem großen Spielzeugladen mit Puppen, Spielfiguren,
- Bausteinen, Plüschtieren, Plastikhelden, Sauriermonstern, Brettspielen, Holzspielzeug, Eisenbahnen, Autos,
- Weltraumflugzeugen, Bällen, Büchern, Kassetten, Computerspielen, Fahrrädern, Rollschuhen, Schaukeln, ja, und
- Bären natürlich, große und kleine. "Toll!" Mia will zu den Bären hinüberlaufen, doch Papu warnt: "Vorsicht!
- Meine Freunde haben noch nie ein Kind gesehen!" "Na und?" Mia geht los. "Ich tu´ ihnen nichts!" Da aber braust
- ihr plötzlich ein schauriges Bärengebrumme um die Ohren. Es klingt böse. Die Bären brummen und toben, ihre
- Arme rudern durch die Luft, die Köpfe kreisen hin und her und ihre Augen blitzen Mia wütend entgegen.
- Jetzt fangen auch noch die anderen Spielsachen an zu schimpfen, zu heulen und zu schreien.
- Was ist nur los im Spielzeugland? Mia erschrickt. "Ich tu´ euch nichts!", ruft sie. "Hört ihr?"
- Die Spielzeuglandbewohner aber sind so aufgeregt, dass sie sich nicht beruhigen können. Laut und lauter brüllen
- sie durcheinander. Einige weinen. Papu ist sehr ärgerlich. "Ich habe es dir gesagt!", schimpft er. "Sie fürchten sich."
- "Ihr braucht euch nicht zu fürchten!",ruft Mia noch einmal, doch die Spielsachen verstehen sie nicht. Ja, und Mia kann
- die Angst der Spielsachen nicht begreifen. Im Kaufhaus fürchten sie sich doch auch nicht!", murmelt sie. "Ganz einfach",
- erklärt Papu. "Wenn die Spielsachen ins Land der Menschen kommen, verstummen sie. So kann niemand mehr hören,
- ob sie sich freuen oder ärgern oder ängstigen." "Aber du kannst doch auch reden, Papu!" Mia ist verwirrt. Papu lächelt.
- "Weil du mich lieb hast, kleine Mia! Spielsachen, die von ihren Kindern geliebt werden, können reden, lachen oder weinen.
- Viele Kinder aber besitzen so viel Spielzeug, dass keine Zeit zum ´Alle-Liebhaben´ bleibt. So hören die Kinder nicht,
- was ihre Spielsachen sagen, ob sie traurig sind oder fröhlich." "Wie gemein!" Mia drückt Papu fest an sich.
- "Ich werde dich immer liebhaben!" Im gleichen Moment verstummen die heulenden Spielsachen.
- Mit aufgerissenen Augen beobachten sie, wie Mia ihren Teddy Papu zärtlich liebkost.
- Plötzlich kommt ein Elefantenbaby angetapst. Es streicht mit dem Rüssel über Mias Kopf und sagt: "Ich heiße Fanti!"
- Mia lächelt, und das Elefantenbaby hebt den Kopf. "Kommt!", trompetet es den Spielsachen zu:
- "Sie ist okay, die kleine Mia. "Die Spielsachen zögern. Langsam, eines nach dem anderen, nähern sie sich Mia,
- Papu und Fanti. Schließlich sind die drei von einer bunten Spielzeugschar umringt. "Hallo!", sagt Mia. "Ha-ha-halloooo!",
- rufen die Spielsachen im Chor, und der Harlekin schnell schlägt einen Purzelbaum. Da drückt Mia dem mutigen Harlekin
- einen Kuss auf die Backe. "Oh", stammelt der Harlekin, und seine Backen werden rot und röter.
- "Wie schööön!" "Ich auch", ruft eine Puppe und hält Mia ihre Backe zum Küssen hin. "Ich will es auch, dieses Liebhaben."
- "Ich auch, ich auch", rufen das Elefantenbaby, die Prinzessin, der Vampir, der Weltraumheld, die Puppen, die Plüschtiere,
- der Riesensaurier, das Plastikmonster und ... ja, alle wollen ein Küsschen Liebe haben! Mia hat viel zu tun.
- Sie küsst und umarmt und streichelt und kuschelt und küsst und küsst und küsst...! Später sitzen alle gemütlich zusammen.
- Mia erzählt von den Kindern, vom Liebhaben, von ´Ärger-und Kummer- und Glückstagen´.
- Auch die Spielsachen wissen vieles zu berichten. Mia kuschelt sich an Papu und lauscht. Wie von weit weg hört sie die
- Stimme des Märchenkönigs, der mit dem Erzählen an der Reihe ist. Weil er ein sehr langsamer Märchenkönig ist, der
- auch sehr langsam spricht, wird Mia müde. Auch die Spielsachen gähnen. Mia kuschelt sich noch fester an Papu,
- und auf einmal, schwups, ist sie eingeschlafen. Als sie wieder aufwacht, sitzt sie mit Papu auf einmal wieder in ihrem
- Zimmer. Das Spielzeugland ist verschwunden. "Schade", murmelt Mia. Sie gibt Papu ein Küsschen und steht auf.
- Das mit dem Spielzeugland muss sie gleich ihren Freunden erzählen. Die werden vielleicht staunen...!
© Elke Bräunling